Vereins-Logo




Naumburg nimmt Abschied von Peter Schmidt

Am 24. November 2019, dem Ewigsonntag, verstarb der Naumburger Theologe und Mitbegründer des Saale-Unstrut-Vereins Peter Schmidt im Alter von 87 Jahren. Die Stadt Naumburg und die Saale-Unstrut-Region verlieren mit ihm einen engagierten Lehrer und Gelehrten, der in den Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands ehrenamtlich als Wegbereiter und Förderer der Kulturgeschichte und Naturkunde im südlichen Sachsen-Anhalt gewirkt hat.

Peter Schmidt mit seiner Ehefrau

Peter Schmidt wurde am 18. Februar 1932 im südamerikanischen La Paz in Bolivien geboren. Sein Vater arbeitete dort als Handelsvertreter für die deutschen Köhlmann-Werke mit Sitz in Frankfurt/Oder. 1933 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Noch kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs verlor er seinen Vater und er und seine vier Geschwister wurden Halbwaisen. Seine Schulzeit verlebte er zunächst in Frankfurt/Oder, bis er ein Stipendium für den Besuch der Landesschule Pforta bei Naumburg erhielt. Bereits mit 17 Jahren begann er in Greifswald ein Studium der Theologie, das er fünf Jahre später erfolgreich abschließen konnte. Es schloss sich ein Forschungsprojekt über den bekannten mittelalterlichen Erzbischof und Philosophen Anselm von Canterbury an. Sein großes Interesse sowohl an der lateinischen Sprache als auch der mittelalterlichen Geschichte führte ihn beruflich schließlich an die Deutsche Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo Peter Schmidt an der vom Akademiepräsidenten Johannes Stroux eingerichteten Arbeitsstelle für das Mittellateinische Wörterbuch wirkte. Neben seiner Forschungstätigkeit engagierte er sich in seiner Berliner Zeit in verschiedenen kirchlichen Ehrenämtern und nahm regen Anteil am Wirken der Gossner-Mission, der Evangelischen Akademie sowie der 1958 initiierten Christlichen Friedenskonferenz. Nach 20 Jahren am Mittellateinischen Wörterbuch erfolgte eine Anstellung als Dozent an der CDU-Parteischule in Burgscheidungen, wo er neben seiner Lehrtätigkeit auch wöchentliche ökumenische Andachten feierte. In der Wendezeit 1989/90 trat die Politik in das Zentrum seines Schaffens, als er von der Ost-CDU zum Vorsitzenden der Grundwertekommission berufen wurde, in welcher Funktion er als Mitglied regelmäßig an den Sitzungen des sogenannten „Runden Tisches“ teilnahm. Peter Schmidts letzte berufliche Stationen führten ihn nach Magdeburg und Erfurt, wo er in den von der CDU geführten Landesregierungen als persönlicher Referent des Ministers für Umwelt (Sachsen-Anhalt) bzw. Gesundheit (Thüringen) arbeitete, bevor er in den Ruhestand ging. Der Schwerpunkt seines Wirkens lag nun ganz auf dem Ehrenamt und konzentrierte sich vor allem auf das kulturelle Erbe seiner Wahlheimat an Saale und Unstrut. Hier wurde Peter Schmidt nicht nur zum Mitbegründer sondern auch einer der engagiertesten Mitarbeiter des 1990 ins Leben getretenen „Saale-Unstrut-Verein für Kulturgeschichte und Naturkunde“. Neben seinem Einsatz für die Naumburger Musikschule, die „Naumburger Mittelalterkinder“ und dem „Naumburger Stadtgang“ steht sein langjähriges Wirken als verantwortlicher Redakteur des „Saale-Unstrut-Jahrbuchs“ in hohem Ansehen. Die Vereinsschrift, die seit 1996 auf inzwischen 25 Jahrgänge zurückblicken kann, hat sich zu dem regionalen Periodikum für kulturhistorische und naturkundliche Themen im südlichen Sachsen-Anhalt entwickelt und wird heute über die Landesgrenzen hinaus rezipiert.

Der Vorstand des Saale-Unstrut-Vereins hat mit großem Bestürzen das letzte Kapitel im Leben des geschätzten Gründungsmitglieds verfolgt und war in den Wochen der Ungewissheit in Gedanken stets bei seiner Familie. Nachdem er über einen Monat als vermisst galt, wurden Anfang des Jahres die schlimmsten Befürchtungen in einem Waldstück bei Naumburg zur traurigen Gewissheit. Peter Schmidt ist tot. Vorstand und Verein trauern um einen klugen, verantwortungsvollen und hochverdienten Gefährten sowie liebenswerten Mitmenschen.




Der Vorstand des Saale-Unstrut-Vereins für Kulturgeschichte und Naturkunde e. V.